Sinne fördern bei Kleinkindern

Welche Sinne gibt es und welche Bedeutung haben sie?

Jeder kennt sie, die fünf Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Fühlen. Doch nur wenigen ist es bekannt, dass es eigentlich sieben Sinne gibt, auf die wir tagtäglich zurück greifen. Oder zumindest geraten die anderen beide Sinnen regelmäßig in Vergessenheit: der Gleichgewichts- und Bewegungssinn sowie der Temperatursinn. Dabei sind diese beiden Sinne für die Entwicklung von Kleinkindern ebenso wichtig, wie die anderen Fünf. Aber wofür sind diese sieben Sinne eigentlich da? Bereits vor der Geburt entwickeln sich fast alle unserer Sinne schon während der Schwangerschaft. Nur das Sehen erlernt ein Baby erst mit der Geburt. Die Sinne entwickeln sich im Laufe des Lebens immer weiter und bilden sich besser aus. Je mehr wir sie trainieren, desto besser werden die Sinne. Dies kann man auch im Erwachsenenalter noch schulen. Noch besser ist es jedoch, wenn man die Sinneswahrnehmung von U3 Kindern bereits fördert.

Warum ist die Sinneswahrnehmung für Kinder so wichtig? Mit jedem Sinn nehmen wir Reize wahr, die von außen auf uns einprasseln. Ein Baby fühlt nach der Geburt plötzlich die Kälte auf der Haut, es hört verschiedene Stimmen und Geräusche, nimmt unterschiedliche Gerüche wahr, es schmeckt die Muttermilch usw.

Bereits jetzt kann es deutlich die Mutter an der Stimme wiedererkennen und nimmt auch ihren Geruch wahr. Sogar den Gleichgewichtssinn kann man bei Babys bereits erkennen. Es schreckt zusammen, wenn man es plötzlich auf die Seite dreht. Ist die Sinneswahrnehmung bei Kindern gestört, können sie sich nur schwer im Leben zurecht finden. Sehstörungen oder die Erblindung wäre so eine Störung der Sinneswahrnehmung. Glücklicherweise kann man die Sinneswahrnehmung der Kinder aber sehr leicht fördern.

Der Sehsinn

Der Sehsinn entwickelt sich in den ersten Lebensjahren. Bei der Geburt ist er zunächst nur wenig ausgereift. Im Kindergartenalter sind die Augen meist besser, als bei vielen Erwachsenen. Über den Sehsinn nehmen wir wohl die meisten Reize der Umwelt auf. Deswegen ist es wichtig, diesen Sinn bereits früh zu fördern und herauszufinden, ob das Kind gut sehen kann. Da die meisten Kinder gerne Bilderbücher anschauen, lässt sich die Sinneswahrnehmung der Augen ganz leicht fördern. Aber auch Spiele wie „Ich sehe was, was du nicht siehst“ sind eine gute Möglichkeit, um die Augen zu trainieren.

Der Hörsinn

Der Hörsinn ist bei der Geburt schon gut entwickelt. Durch verschiedene Hörerfahrungen wird dieser Sinn immer besser. Um diesen Sinn zu fördern reicht das gezielte Einsetzen von Musik, Instrumenten oder einer Geschichte, im Flüsterton erzählt. Wir nehmen zwar über die Augen mehr wahr, als über die Ohren, dennoch ist der Hörsinn sehr wichtig. Im Straßenverkehr zum Beispiel. Wir müssen Platz machen, wenn wir ein Martinshorn hören, werden aufmerksam, wenn wir eine Hupe hören, schauen uns um, wenn jemand schreit.

Der Geruchssinn

Der Geruchssinn kommt vielen Menschen weniger wichtig vor. Dennoch erfüllt er ebenso wichtige Aufgaben. Riecht es zum Beispiel nach Feuer, wissen wir, dass eine Gefahr droht. Oft vernachlässigen wir den Geruchssinn. Doch auch er sollte gefördert werden. Kindern zu zeigen, wie die Natur oder verschiedene Nahrungsmittel riechen, kann eine ganz besondere Erfahrung sein. Wusstest du, dass Kinder bereits im Mutterbauch starke Gerüche über das Fruchtwasser wahrnehmen können und diesen auch nach der Geburt wiedererkennen?

Der Geschmacksinn

Bereist kleine Kinder haben einen Geschmackssinn. Sie mögen alle gerne „süß“ und verziehen das Gesicht bei sauren oder bitteren Geschmacksrichtungen. Beim Kochen und Backen mit Kindern in der Krippe können die Kinder tolle Erfahrungen über verschiedene Geschmacksrichtungen sammeln.

Der Tastsinn

Beim Tastsinn denken die meisten Menschen nur an die Hände. Jedoch haben wir am gesamten Körper die Möglichkeit dazu, etwas zu ertasten. Wir spüren eine Berührung an der Schulter genauso, wie einen Stein im Schuh. Um Kindern eine vielfältige Möglichkeit zu geben, sich mit der taktilen Wahrnehmung auseinander zu setzen, kann man einen Fühlpfad oder ein Fühlmemory basteln. Durch das Anfassen von verschiedenen Oberflächen werden neue Verbindungen im Gehirn geschaffen und abgespeichert. Auch das Malen mit Fingerfarben oder Kneten gehört zu den einfachen Mitteln für taktile Erfahrungen.

Der Gleichgewichtssinn

Den Gleichgewichtssinn trainieren Kinder meist von ganz allein. Sie lernen sich zu drehen, zu krabbeln und beginnen zu laufen. Dabei brauchen sie ihren Gleichgewichtssinn unbedingt. Sonst würden sie sich gar nicht halten können. Durch kleine Parcourstrecken, das Balancieren über einen Baumstamm oder das Schaukeln wird dieser Sinn zusätzlich trainiert. Später brauchen Kinder diesen zum Beispiel, um Laufrad oder Fahrrad fahren zu lernen.

Der Bewegungssinn

Jedes Kind hat von Natur aus den Trieb dazu, sich zu bewegen. Durch zu viel Zeit mit Medien verliert sich dieser Trieb. Deswegen ist es besonders wichtig, dass man in der Krippe den Bewegungssinn der Kinder fördert. Durch Spaziergänge, Turnübungen, Raufen, Klettern, Tanzen oder Fußballspielen, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Warum die Sinneswahrnehmung bei Kindern fördern?

Leider ist es mit den Sinnen so, dass man sie wieder verlernen kann, wenn man sie nicht nutzt. Ähnlich wie bei einer Sportart, die man nur gut kann, wenn man weiterhin trainiert. Hört man eine Zeit lang damit auf, werden die Muskeln schwächer, man vergisst die richtige Haltung und hat weniger Ausdauer. Ebenso ist es mit der Sinneswahrnehmung bei Kindern. Fördert man die Sinne jedoch täglich, verknüpfen sie sich miteinander. Sie bilden neue Stränge im Gehirn aus und fördern die gesamte Entwicklung. Dabei müssen die Fördersituationen gar nicht immer aus vorbereiteten Angeboten bestehen. Der Geschmackssinn zum Beispiel kann wunderbar beim Essen geschult werden: „Das Essen schmeckt aber gut heute. Was ist das? Schmeckt das süß oder ist das scharf?“ Ebenso der Geruchssinn: „Was riecht denn hier so gut? Ich glaube das kommt von der Wiese dort. Welche Blume riecht wohl so gut? Ob wir sie finden?“

Auch mit den anderen Sinnen klappt eine Förderung meist ganz nebenbei im Alltag. Dafür benötigt man lediglich etwas Übung und Zeit. Je mehr Zeit die Kinder bekommen, um sich auf die Suche nach einem Geruch, einem Geschmack oder einem Geräusch zu machen, desto eher können sie daraus etwas Wertvolles lernen. Wird die Sinneswahrnehmung im U3 Bereich bereits geschult, hat dies weitreichende, positive Effekte. Diese Kinder können sich in der Schule meist besser konzentrieren und können Informationen besser und schneller verarbeiten. Auch auf das Sozialverhalten hat es positive Auswirkungen.

Förderung der Sinneswahrnehmung von U3 Kindern

Um die Sinneswahrnehmung der Kinder zu fördern gibt es neben alltäglichen Situationen auch die Möglichkeit, dies im Voraus zu planen. Dafür eignen sich verschiedene Spiele und Bücher, sowie Naturmaterialien. Je nachdem, welcher Sinn gefördert werden soll. Im Folgenden gibt es ein paar Beispiele für die Umsetzung mit Krippenkindern. Die Beispiele sind den verschiedenen Sinnen grob zugeteilt. Jedoch sind alle Ideen übergreifende Angebote und fördern meist mehrere Sinne gleichzeitig. So fördert man zum Beispiel beim gemeinsamen Plätzchen backen einen Großteil der Sinne. Die Zutaten werden visuell mit dem Sehsinn wahrgenommen. Der Teig wird mit dem Tastsinn geknetet und ausgerollt. Beim Probieren der Zutaten und der fertigen Plätzchen wird der Geschmackssinn angesprochen. Durch das Warten auf das Klingeln des Weckers, wenn die Plätzchen fertig sind, üben die Kinder ihren Hörsinn zu nutzen. Durch das Kneten und Ausstechen wird der Bewegungssinn benötigt. Wie mit dem Plätzchen backen, verhält es sich mit vielen Aufgaben im Alltag und auch mit den meisten gezielten Angeboten im Krippenbereich.

Die Sinneswahrnehmung besteht aus vielen kleinen Aktionen, die zusammen spielen. Nur selten wird lediglich ein Sinn von uns benutzt. Das geschieht eher ganz gezielt, wenn wir uns zum Beispiel die Augen verbinden und uns darauf konzentrieren, ein bestimmtes Geräusch zu hören.

Sinnesspiele für Krippenkinder

Sehsinn

  • Bilderbücher anschauen (z.B. Wimmelbücher)
  • Kamishibai
  • „Ich sehe was, was du nicht siehst“
  • Suchspiele
  • Schuhsalat
  • Malen
  • Perlen auffädeln

Hörsinn

Geruchssinn

  • Spaziergang im Wald, auf Gerüche achten
  • Blumen sähen, an der Erde riechen, auf die verschiedenen Gerüche achten
  • zusammen Kochen, auf Gerüche hinweisen
  • ein Kräutermemory zum Riechen basteln

Geschmackssinn

  • verschiedene Kräuter probieren
  • zusammen kochen
  • zusammen essen
  • Obstteller bereiten
  • mit verbundenen Augen probieren

Tastsinn

  • Kastanien in ein Planschbecken füllen und die Kinder baden lassen
  • Plätzchen backen
  • Fingerfarben malen
  • Barfußpfad
  • mit Rasierschaum malen
  • Kneten
  • Test Memory
  • Massagen mit Igelbällen, Pinseln, Händen usw.
  • Planschbecken

Gleichgewichts- und Bewegungssinn

  • Bewegungsparcour aufbauen
  • Rollbrett Führerschein machen
  • Schwungtuch Spiele
  • Bewegungslieder
  • Wippen/Schaukeln

Besonderer Förderbedarf bei U3 Kindern

Hin und wieder kommt es im Krippenalltag vor, dass einem auffällt, dass ein Kind in manchen Bereichen nicht so fit ist, wie die anderen. So gibt es zum Beispiel Kinder, die nur wenig Muskelspannung besitzen und denen aufgrund dessen Bewegungsabläufe sehr schwer fallen. Manche Kinder haben vielleicht sogar ein körperliches Defizit und kommen deswegen nicht so schnell hinter den anderen Kindern her. Im Krippenalltag bietet es sich deshalb an, die Kinder auch in Kleingruppen in ihrer Wahrnehmung zu fördern. In Gruppen von nur zwei oder drei Kindern kommen die einzelnen Kinder öfter dran, bekommen mehr Aufmerksamkeit und Hilfestellung. Vielleicht gibt es der Personalschlüssel sogar her, dass die Kinder sogar einzeln gefördert werden können.

Wenn man genau beobachtet, merkt man schnell, welches Kind so eine Kleingruppen- oder Einzelförderung nötig haben könnte. Es gibt auch Kinder, die schnell von zu vielen Reizen überfordert sind. Für sie ist weniger gleich mehr. Am besten lässt man sie frei entscheiden, ob sie an der Situation teilnehmen wollen oder nicht. Besser ist immer, die Förderung dann in den Alltag mit einzubeziehen, als die Kinder mit einem geplanten Angebot zu überfordern.

Materialien zur Förderung der Sinneswahrnehmung

In der folgenden Liste sind die wichtigsten Materialien zum Fördern der Sinne im Krippenalltag aufgelistet. Natürlich ist die Liste nicht vollständig und kann beliebig erweitert werden. Viele Materialien muss man nicht kaufen, sondern kann sie direkt mit den Kindern zusammen sammeln. Wieder eine Möglichkeit, um die Sinneswahrnehmung zu fördern.

  • Kastanien zum Basteln oder Baden
  • Baumrinde zum Befühlen, Bauen oder Basteln
  • Blätter zum Baden, Basteln, Anmalen usw.
  • Moos zum Befühlen und Basteln
  • Perlen zum Auffädeln, Befühlen und Befüllen
  • Fingerfarben zum Malen und Matschen
  • Spiegel zum Matschen, Anschauen und Entdecken
  • Sand zum Experimentieren, Malen, Matschen, Bauen usw.
  • Schwungtuch zum Toben und Genießen
  • Schaukel zum Bewegen und Entspannen
  • Musikinstrumente zum Experimentieren, Singen, Kennenlernen und Entspannen
  • Pinsel für Massagen und zum Malen
  • Igelbälle für Massagen und zum Spielen
  • Bällebad zum Entspannen und Toben
  • und viele mehr

Quellen

Zitiervorschlag

Götz, S. (2021). Sinne fördern bei Kleinkindern. Kinder erforschen mit ihren Sinnen unsere Welt. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 05.03.2021. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/sinne-foerdern-bei-kleinkindern/

Site Footer