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2. Februar 2023 , 12:28
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Raumgestaltung in der Kita

Kitas für Kinder als aktiven Lebensraum gestalten.

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Inhalt

  1. Historische Aspekte der Raumgestaltung
  2. Die pädagogische Raumgestaltung
  3. Räume gestalten
  4. Kita-Qualität und Raum
  5. Begründung des ausgewählten Bereiches
  6. Ausgangssituation des ausgewählten Bereiches
  7. Verbesserungsvorschläge zum ausgewählten Bereich
  8. Partizipation der Kinder
  9. Reflexion der Aufgabe
  10. Quellen

Einleitung

Historische Aspekte der Raumgestaltung

Um die pädagogische Raumgestaltung in der Kita zu verstehen, muss man nach Wilk zunächst einen historischen Blick auf die Entwicklung der Frühpädagogik insgesamt werfen. Denn im Laufe der Jahrhunderte haben sich viele Sichtweisen auf das Kind geändert. Auch politische wie gesellschaftliche Veränderungen hatten prägenden Einfluss auf die frühe Kindheit. Die Bilder von Kindern wie Pädagogen sie sehen haben sich gewandelt. Es entstanden neue pädagogische Konzepte und so wurde die frühkindliche Bildung von Jahr zu Jahr komplexer und akademischer.

Hierbei ist mit Bezug zur Raumgestaltung festzustellen, dass die jeweiligen pädagogischen Konzepte individuelle Anforderungen an den Raum haben. Dies ist insoweit wichtig zu wissen, da sich bereits hier klar herausstellt, dass eine homogene Raumgestaltung, welche für alle Kitas anwendbar ist, nicht existieren kann! Des Weiteren darf nicht vergessen werden, dass das pädagogische Konzept nur ein Grundgerüst für den Kitabetrieb darstellt. Erst durch die pädagogische Konzeption der jeweiligen Einrichtungen erhält ein Konzept letztlich praktische Relevanz. Diese historischen Aspekte sollte man daher bei der Raumgestaltung stets im Blick behalten. (vgl. Wilk, S. 17–54)

Eine ähnliche Sichtweise auf die historischen Aspekte hat Stephanie Gebert. Sie legt jedoch, auch im Vergleich zu Wilk, eine vertiefte Sichtweise auf das häusliche Kinderzimmer. Denn aus ihrer Sicht führt die Nichtberücksichtigung dieser Räumlichkeit zu einer stark verkürzten Sicht auf die Entwicklungslinie der frühen Kindheit. (vgl. Rekus und Gebert 2021, S. 21–30)

Dies ist aus meiner Sicht insbesondere auch mit Bezug auf die Vergangenheit nachvollziehbar und korrekt. Denn früher war die Kleinkindbetreuung im U3-Bereich kaum ausgebaut. Daher fand in früheren Jahren die Bildung und Entwicklung über einen längeren Zeitraum Zuhause statt, was den Einfluss der privaten Räume und des häuslichen Kinderzimmers auf die kindliche Entwicklung erhöhte.

Die pädagogische Raumgestaltung

Die Raumgestaltung nimmt also historisch wie aktuell in der frühkindlichen Entwicklung einen großen Stellenwert ein. Doch was genau bedeutet nun der Begriff Raum & pädagogische Raumgestaltung, unterhalten wir uns doch im Alltag ständig über Räume? Für uns ist ein Raum häufig ein in sich abgeschlossenes Behältnis, dass sich von Wand zu Wand messen lässt und so ganz mathematisch wie physikalisch erklären lässt. (vgl. Stieve und Schüllenbach-Bülow 2016, S. 21–22)

Hinzu kommen Funktionen, welche wir dem Raum zuschreiben. In der Küche kochen wir und bewahren Lebensmittel auf. Im Wohnzimmer findet das familiäre und gesellschaftliche Leben statt. Dies gilt auch für Räume in Kitas. Hierbei müssen wir jedoch auch beachten, dass die unterschiedlichen Konzepte verschieden auf die Architektur wirken und somit Einfluss auf die Raumgestaltung haben. Ebenso gibt es innere (Kita-Räume) und äußere Räume (Vorhof, Garten), welche der Raumplanung und Raumgestaltung unterliegen.

Räume gestalten

Das Grundgestaltung von Räumen in Kitas richtet sich einerseits nach dem entsprechenden pädagogischen Konzept. Die Raumgestaltung innerhalb der Räume hat hierbei ebenfalls einen wichtigen Stellenwert. Denn je nach Raum und Funktion müssen wir unterschiedliche Anforderungen berücksichtigen. Es lassen sich grundsätzlich drei grundlegende Gestaltungsprinzipien festhalten:

  1. Orientierung schaffen
  2. Anregungen bieten
  3. Wohlbefinden ermöglichen

Diese werden anhand eines praktischen Beispiels genauer erklärt:

Um das Wohlbefinden zu ermöglichen, lassen sich beispielsweise in unterschiedlichen Räumen passende Bodenbeläge einsetzen. Hierzu könnten im Gruppenraum oder Schlafraum beispielsweise Teppich verlegt werden. Im Bewegungsraum wie im Eingangsbereich einer Kita wäre ein Teppich kontraproduktiv. Hier eignen sich eher kühlere und härtere Materialien wie Linoleum oder Gummi. Der Boden kann auch als Wegweiser eine Orientierungshilfe bieten. Bei Inklusionseinrichtungen findet sich dort meist mittig ein kontraststarkes Leitsystem.

Ein weiterer Einfluss auf das Wohlbefinden hat auch die Farbgebung des Bodenbelags. Dieser steht in Wechselwirkung mit den Wänden und der Einrichtungsgegenstände. Die Wände grenzen voneinander ab und bieten Orientierungsmöglichkeit. Diese vermitteln den Kindern auch Möglichkeiten zur Einschätzung von Höhe und Entfernung. Auch Wände können farblich je nach Raum gestaltet werden.

Hier stellt sich nun die Frage, was Farben überhaupt sind und wie diese wirken. Denn Farbe ist letztlich nichts weiter als ein Gegenstand, der Licht in einer bestimmten Wellenlänge reflektiert. Manche Gegenstände absorbieren mehr oder bestimmte Wellenlängen und hierdurch werden nur noch bestimmte Wellen reflektiert. Diese lassen unterschiedliche Farben entstehen, welche von jedem Menschen unterschiedlich aufgefasst werden. Denn farbeindrücke sind immer stets individuelle Erfahrungen. Ein tieferes Verständnis für die Farbwahl zeigt, dass Schaubild im Anhang Nummer 6.

Die Decke hat neben dem Bodenbelag einen großen Einfluss auf die Akustik des Raumes und hier ist insbesondere das Wort „Lärm“ zu erwähnen. Dieser hat Auswirkungen auf das Lernen, die Gesundheit und dem Wohlbefinden der Kinder und der Fachkräfte. Der durchschnittliche Lärmpegel in einer Kita liegt bei 60-70 Dezibel. Diese lassen sich grundsätzlich in endogene (Kinder, Fachkräfte, Lüfter) und exogene (Straße, Hunde, Flugzeuge) Einflussfaktoren unterscheiden. Durch entsprechende akustische Maßnahmen lassen sich Lärmbelastungen minimieren und so Konversationen besser verständlich machen. Ebenso ist die Decke auch Träger von Leuchtmaterialien.

Auch bei der Einrichtung der Räume müssen Besonderheiten der jeweiligen angewandten pädagogischen Konzepte mitberücksichtigt werden. Bei Montessori-Kitas haben die Materialien feste Stellplätze und sollen von den Kindern stets selbstständig erreichbar sein. In Wald-Kitas liegt der Fokus des Raumes auf den Naturraum. Aber auch dort gibt es oft Räume wie Bauwagen oder Hütten. Diese werden naturbezogen eingerichtet. Am deutlichsten wird das Thema Raumgestaltung und Raumausstattung bei der Reggio-Pädagogik. Denn hier „arbeiten“ die Räume als dritter Erzieher.

Mit der Raumgestaltung in Kitas hat sich die Wissenschaft auch schon vermehrt beschäftigt. Es lassen sich drei Typen der räumlichen Anordnung festhalten:

  1. Offene Struktur = Raum ganz einsehbar, Spielbereiche nicht abgegrenzt
  2. Visuell einschränkte Struktur = Möbel werden zur Teilung von Bereichen eingesetzt.
  3. Visuell offene Struktur = wie 2., jedoch vollständiger Überblick durch kleinere Möbel

Hierbei hat die Wissenschaft herausgefunden, dass Kinder in offen strukturierten Räumen aktiver sind und bewegungsintensive Tätigkeiten zunehmen. Kinder in visuell offenen Räumen wiederum können sich an Raumteilern orientieren und sich somit selbstständiger in der Kita orientieren und bewegen. Eine visuell offene Struktur sollte demnach angestrebt werden, denn diese unterstützt die Kinder bei der Aktivitätswahl und der Autonomie.

Diese Strukturierung kann beispielsweise durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Raumteiler nur auf niedriger Höhe einsetzen
  • Große Schränke dementsprechend am Rande montieren
  • Polsterelemente können als weiche Art der Raumbegrenzung eingesetzt werden
  • Farbe je nach Spiel-/Aktionsbereich einsetzen, um Abgrenzungen visuell zu erzeugen
  • Bodenmarkierungen wirken bei Kindern und können zur Abgrenzung eingesetzt werden.

In einem Spiel- oder Aktionsbereich sollten zwischen zwei und fünf Kindern arbeiten können. Hierzu werden zwischen 5-10qm empfohlen. Hierzu gibt es eine Faustregel: Die Kinder sollten sich mit ausgestreckten Armen im Stehen noch drehen und im Liegen ausstrecken können. (vgl. Bauer et al. 2016, S. 33–62)

Kita-Qualität und Raum

Der Raum dient in der Pädagogik als Unterstützungselement bei einem pädagogischen Konzept und der darauf aufbauenden Konzeption. Diese wichtige Erkenntnis wird bei heutigen Planungen jedoch nur zum Teil berücksichtigt. Denn meist wird die pädagogische Leitung erst kurz vor und dass pädagogisches Personal erst bei Betriebsstart eingestellt. Hierdurch ist selbst die spätere Einrichtungsleitung nicht in den Bauprozess mit involviert und so entwickelt sich die pädagogische Konzeption mit bereits feststehenden Bauwerken, ergo Räumen. (vgl. Wilk, S. 95–97)

Dies führt aus meiner Sicht zu mehreren Problemen. Denn bei bereits feststehenden räumlichen Gegebenheiten lassen sich Veränderungen später nur noch bedingt umsetzen und die Einflussmöglichkeiten des Personals sind begrenzt. Dies kann beispielsweise durch Unzufriedenheit oder einer nicht passenden Konzeption zu negativen Auswirkungen auf den pädagogischen Alltag führen.

Des Weiteren haben die Räume auch Einfluss auf die Kita-Qualität. Denn Räume berühren die Qualitätskategorien Orientierungsqualität (bspw. Raum als dritter Erzieher/Konzept) und Strukturqualität (materielle Ausstattung der Räume). Ebenso haben die Räume Einfluss auf die Prozessqualität. Denn je individueller der Raum an die jeweiligen Anforderungen angepasst ist, desto besser können pädagogische Fachkräfte mit Kindern, Eltern etc. kommunizieren und handeln.

Ein weiterer wichtiger Einfluss von Räumen auf die Kita-Qualität ist auch die Wirkung zwischen Kindern und den Räumen. Stellen diese doch Lerngegenstand und Lernumgebung für die Kinder der Einrichtung dar in diese sie hineinexplorieren können. Diese Wechselwirkung (Raum<->Kind) wirkt sich sowohl auf die (Selbst-)Bildung eines jeden Kindes als auch auf die Qualität der Interaktionen zwischen Kindern untereinander sowie zwischen Kindern und pädagogischen Fachkräften aus. (vgl. Wilk, S. 100–101)

Begründung des ausgewählten Bereiches

Der Schlafraum spielt in der Kita insbesondere für jüngere Kinder eine große Rolle. Denn das Ausruhen und Schlafen ist in der Kita insbesondere für die jüngeren Kinder ein Grundbedürfnis. Hier spielen Faktoren wie eine sichere Bindung und Vertrauen zur Bezugsperson eine wichtige Rolle. Ebenso sollten die pädagogischen Fachkräfte proaktiv kontaktintensive Interaktionen mit den Kindern durchführen können. Für manche Kinder steht oftmals das Ruhen im Vordergrund. Hier müssen die Erzieher dann zusätzliche, für die Kinder passende, Entspannungsmaßnahmen anbieten. (vgl. Kramer 2015, S. 8–12)

Ausgehend vom Tagesablauf, finden sich die Kinder nach dem gemeinsamen Mittagessen in den jeweiligen Gruppen ab 11:30 Uhr zum Schlafen im Schlafraum ein. Hierbei kommen jedoch nicht nur die Krippenkinder zum Schlafen. Aufgrund des Konzepts der Nikolauspflege und der stattfindenden Inklusion finden sich auch ältere Kinder zum Schlafen im Schlafraum ein. Auch wird der Schlafraum gruppenübergreifend genutzt und betreut.

Für die Kinder selbst spielt die Transition vom Mittagessen zum Schlafen gehen eine große Rolle. Auch hier möchte ich nochmals auf die besonderen Herausforderungen aufgrund der Inklusion von körperlich wie geistig eingeschränkten Kindern hinweisen. Diese Umstände führen aus meiner Sicht dazu, dass an den Schlafraum in meiner Praxiseinrichtung große Anforderungen gestellt werden müssen und diese derzeit nicht erfüllt werden.

Aus diesem Grund wurde der Schlafraum als Raum für die auszuführende Raumgestaltung gewählt und entsprechend analysiert und theoretisch neu geplant.

Ausgangssituation des ausgewählten Bereiches

Nachdem ich nun die Wichtigkeit des Schlafraumes für die Kinder beschrieben habe, möchte ich nun im nächsten Schritt die Ausgangssituation des fiktiven Schlafraumes, welcher für dieses Projekt kurzerhand hergezaubert wurde, analysieren.

Hierzu lässt sich sagen, dass der Schlafraum im Raumkonzept nicht ursächlich als dieser geplant und eingerichtet wurde. Dieser war zuvor als Gruppenraum für eine Kitagruppe geplant und dementsprechend ausgestattet. Nachdem diese Kita-Gruppe aus Platzgründen die Räume wechselte, erhielt dieser Raum eine neue Funktion als Schlafraum, mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Ein großer Vorteil dieses Raumes als Schlafraum ist die gute Erreichbarkeit. Er liegt für zwei Kita-Gruppen auf derselben Ebene und ist räumlich in Richtung Garten statt Straße gelegen. Dies führt zu einem geringeren Geräuschpegel im Schlafraum und zu einer besseren Luftqualität.

Leider ist der Raum als Schlafraum aufgrund seiner vorherigen Funktion und Ausstattung als Gruppenraum schlecht geeignet. Es befindet sich eine Küchenzeile mit Einbaugeräten in dem Raum. Diese lenkt einerseits die Kinder ab. Andererseits bringt die Küchenzeile eine große Unruhe in den Schlafraum und ist nutzlos. Des Weiteren sind alle Wände in Weiß gehalten. Einerseits ist die Farbe Weiß verständlich, denn für die sehbeeinträchtigten Kinder stellen Farben aufgrund der sinkenden Kontraste eine besondere Herausforderung dar. Andererseits hat, wie zu Beginn der Ausarbeitung erwähnt, die Farbe einen großen Einfluss auf die Raumgestaltung und somit letztlich auf das Wohlfühlen der Kinder. Ebenso müssen auch die Belange nicht sehbeeinträchtigter Kinder berücksichtigt werden und letztlich haben beim Thema ausruhen und Schlaf alle Kinder ähnliche Belange, nämlich Ruhe, Geborgenheit und Sicherheit.

Ein weiteres Problem sind die großen Fenster. Diese lassen sich zwar mit Rollläden verdunkeln. Dennoch wirken diese großen Öffnungen nachteilig auf einen Schlafraum. Die Decke ist ebenfalls in Weiß gehalten und mit großen Runden Leuchten versehen, welche viel zu groß sind und hierdurch eine ungemütliche Atmosphäre erzeugen. Diese lassen sich leider auch nicht unbegrenzt regeln und so ist es entweder zu hell oder zu dunkel. Des Weiteren muss auch der Boden als ungeeignet deklariert werden. Dass Muster und die Farben wirken unruhig und aktivieren die Kinder daher mehr als es Ihnen beim Beruhigen und Einschlafen hilft. Den Kindern stehen zum Schlafen blaue Schaumbetten zur Verfügung. Diese mögen die Kinder sehr. Sie sind sehr weich und bieten durch die räumlichen Begrenzungen ein Gefühl der Sicherheit. Andere Varianten zum Ausruhen gibt es für die Kinder leider nicht. Ein Klavier hat in einem Schlafraum nichts verloren und führt gleichwohl auch zu einer Ablenkung der Kinder. Das Waschbecken ist ebenso ein Störfaktor im Schlafraum und hat somit einen großen negativen Einfluss auf die Funktion als Schlafraum.

Die Ausgangssituation des Raumes ist dementsprechend herausfordernd. Denn der aktuell eingesetzte Schlafraum erfüllt die Grundbedürfnisse der Kinder nicht und so wirkt er gegensätzlich zu den Zielen eines Schlafraums.

Verbesserungsvorschläge zum ausgewählten Bereich

Nach der theoretischen Einleitung und der Analyse des Schlafraums lassen sich nun sinnvolle Schlussfolgerungen für eine Verbesserung des Funktionsraums ziehen. Die Farben für die Wände sollten in einem braunen Auberginen-Ton gestrichen werden, welcher Geborgenheit und Ruhe ausstrahlt. Gleichwohl wäre auch die Verwendung eines dunkleren Blautones denkbar. Diese Farbe sendet den Kindern Vertrauen und Behaglichkeit. Da jedoch schon die Kinderbetten in Dunkelblau gehalten sind, scheidet meiner Ansicht nach eine ähnliche Wandfarbe aus.

Die vielen großen runden Deckenleuchten strahlen keine Ruhe aus und sollten durch mehrere Sternenlampen an der Wand oder durch Wolkenlampen an der Decke ersetzt werden. Diese gibt es auch mit farblich passender Umrandung, was für einen Schlafraum ideal wäre.

Es wäre auch eine Kombination von Deckenlampen und einer Wandlampe als Akzentlicht denkbar. Durch diese Maßnahme wirkt der Raum ruhiger und das Licht wird diffuser. Eine weitere positive Eigenschaft wäre die Veränderung der Kelvin. Diese würde von den aktuell ca. 4500 Kelvin auf 2500-3000 Kelvin reduziert werden. Dies fördert bei den Kindern ebenfalls die Melatonin Ausschüttung, was wiederum als positiver Effekt auf den Schlaf wirkt.

Die Küchenzeile sollte komplett entfernt werden. Diese hat in einem Schlafraum nichts verloren. Ebenso Materialien wie dem Klavier, die Waschmöglichkeit sowie ungenutzte Kinderbetten. Diese freiwerdenden Flächen könnten mit variablen Ausruhmöglichkeiten wie Kuschelecken, Sitzlandschaften und Ähnliche genutzt werden.

Denn Kinder sind unterschiedlich und so möchten sich vielleicht jüngere Kinder in den Betten zum Schlafen legen, größere wiederum vielleicht zu zweit auf eine Sitzlandschaft kuscheln oder man empfindet die Betten als zu kalt. So kann ein Korb mit Matratze und Schalung angewandt werden. Kurzum, der Schlafraum als Funktionsraum bietet den Kindern so die Möglichkeit der Einflussnahme (Partizipation). Der Schlafraum benötigt nur wenige Möbel. Ein Liegepolsterschrank wäre sinnvoll. Dieser könnte im Zwischenraum zwischen Schlafraum und Gruppenraum integriert werden. Hierdurch bleibt der Schlafraum weiterhin klar und ruhig. Ein kleineres Regal, um wichtige Unterlagen und Utensilien bereitstellen zu können wäre mittig der linken Wand sinnvoll. Hierfür eignen sich Möbel mit ruhigen Holztypen wie beispielsweise Buchenholz ohne Fräsungen.

Der Boden sollte aufgrund seiner kalten Eigenschaft und des aktivierenden Musters durch einen Teppich in einem gräulichen Beige bedeckt werden. Denn die Kinder sollten die Möglichkeit erhalten sich barfuß im Schlafraum bewegen zu können. Dies fördert einerseits das bequeme Liegen und Kuscheln im Bett. Andererseits empfinden die Füße der Kinder so Zärtlichkeit und Wärme. Denn ein Teppich vermittelt im Vergleich zu einem Boden ohne Teppich Wärme. Ebenso wirkt die Farbe erdend, beruhigend und passt sehr gut zur Wandfarbe, sodass eine Überforderung des Sinnesorgans Sehen und somit eine Aktivierung der Kinder vermieden werden.

Die großen Fenster lassen sich leider nicht ohne größere Baumaßnahmen verändern. Da es sich hier jedoch um eine theoretische Überlegung mit dem Ziel des bestmöglichen Schlafraums für die Kinder handelt, werden auch diese verändert. Denn in einem Gruppenraum sind große Fenster meist von Vorteil. Die Kinder haben viel Tageslicht und sie können die Umgebung wahrnehmen und beobachten. Für einen Schlafraum sind diese daher jedoch ungeeignet. Denn die großen Fenster schaffen für das Schlafen eine große Unruhe. Diese vermitteln keine Sicherheit und Geborgenheit und so kommt kein rechtes Ruhe- und Schlafgefühl auf. Daher sollte die große Fensterfront durch zwei Bogenfenstern oder Rundfenstern ersetzt werden.

Bauliche Umgestaltung des Schlafraums in der Kita
Bauliche Umgestaltung des Schlafraumes in der Kita.

Diese sollten durch einen dunklen Sternenvorhand abdeckbar sein. Durch diese Maßnahme wird die Wirkung des Raumes nicht mehr durch die große Fensterfront konterkariert.

Als zusätzliche Maßnahme könnten die weißen Heizkörper durch anthrazit-graue Heizkörper ersetzt werden.

Partizipation der Kinder

Nachdem nun Verbesserungsvorschläge gesammelt und festgehalten wurden, geht es nun an die Umsetzung dieser Maßnahmen. Hierbei sollen, nein müssen die Kinder mitgenommen werden und ein Teil der „Bauarbeiter“ sein. Die Umgestaltung des Schlafraumes könnte als gruppenübergreifendes Kita-Projekt durchgeführt werden. Hierbei könnten die Kinder beim Ausräumen helfen. Während der Umbaumaßnahmen muss immerhin ein Ausweichschlafraum geschaffen werden und auch dort können die Kinder ihren Einfluss geltend machen.

Nach den baulichen Umbaumaßnahmen wie der Veränderung der Fensterfront und der Entfernung der Küchenzeile sowie des Waschbeckens durch Fachfirmen, können die Kinder nun bei den weiteren Maßnahmen mit integriert werden. Diese können beim Putzen und beim Teppichlegen helfen. Dass anbringen von Farbe an den Wänden können die Kinder ebenso unterstützen wie das Montieren von Gardinen. Soll die Schlaflandschaft nun in die rechte oder die linke Ecke? Diese Frage könnte beispielsweise eine Kinderkonferenz klären. Hierdurch können die Kinder erfahren, dass auch sie ihre eigenen Interessen vertreten und

umsetzen können. Hierbei stellt sich auch die Frage, ob nicht grundsätzlich der Ablauf beim Schlafengehen analysiert und gemeinsam mit den Kindern überarbeitet wird. Vielleicht möchten die Kinder lieber alle gemeinsam auf einmal in den Schlafraum gehen, statt dass nach und nach Kinder dazukommen. Denn das häufige Tür öffnen und schließen kann das Ausruhen und Schlafen der Kinder zusätzlich stören.

Das gesamte Projekt der Kinder sollte auf jeden Fall fotografisch und bildlich gemeinsam mit den Kindern festgehalten werden. Hierbei könnte man vielleicht auch die Fachfirmen mit integrieren und so lernen die Kinder weitere Berufsgruppen kennen. Hier können die Kinder eventuell auch partizipieren und beim Anrühren oder Verstreichen von Zement helfen. Elektriker könnten den Kindern etwas über Strom und Fensterbauer über Glas erklären und Erzieher könnten diese in Projekten wiederum aufgreifen. Kurzum, das Projekt Kita-Schlafraum bietet den Kindern vielfältige Möglichkeiten der Partizipation. Die Kita muss diese Möglichkeiten nur aufgreifen und letztlich auch annehmen und auch umsetzen.

Reflexion der Aufgabe

Zu Beginn fand ich diese Aufgabe sehr fordernd und schwer. Ich hatte bisher nichts mit der Raumplanung von Kitas zu tun und so flossen erst einmal vielfältige Einflüsse und Ideen auf mich ein. Gerade im Unterricht haben wir viele Bereiche der Raumgestaltung und Raumplanung besprochen und analysiert. Beim Besuch der Praxiseinrichtung konnte ich dann dieses theoretische Wissen mit der Praxis verknüpfen und so neue Sichtweisen entdecken.

Ich habe mich für den Schlafraum der Kita entschieden, da einige Kinder nur sehr ungern zum Schlafen gehen und mir dieser als Schlafraum gänzlich ungeeignet erschien. Der Raum wird jeden Tag verwendet und er erfüllt Grundbedürfnisse der Kinder nicht. Daher war es mir wichtig, mich mit diesem Raum zu beschäftigen und mögliche Lösungswege herauszufinden. Die theoretischen Grundlagen zum Thema Raumplanung in den Kitas bestätigten meine Vermutungen. Daher ist es sinnvoll, sich über die Weiterentwicklung des Funktionsraumes Schlafraum Gedanken zu machen.

Das Planen und theoretische Umsetzen eines neuen Raumkonzeptes waren eine große Herausforderung und haben mir sehr viel Freude bereitet. Es kamen immer mehr Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten zum Vorschein und am Ende war ich selbst überrascht, mit welch umfassenden Möglichkeiten man einen Raum für die Kinder positiv wie negativ verändern kann. Auch der große Einfluss eines „gestalteten“ Schlafraumes auf die kindliche Entwicklung hat mich überrascht.

Mir wurde durch dieses Projekt bewusst, wie wenig man sich heutzutage im Kita-Alltag mit den Themen Raumplanung, Raumkonzept sowie Raumgestaltung auseinandersetzt. Auch hier fehlt meiner Meinung nach die Einbindung der Kinder in diese Themen.

Dass Projekt hat mich für diese Themen sensibilisiert und ich werde in Zukunft verstärkt darauf achten, die Kita Räume als aktiven Lebensraum der Kinder zu sehen und diesen gemeinsam mit den Kindern zu gestalten.

Quellen

  • Bauer, Daniela; Evers, Wiebke; Otto, Melanie; Walk, Laura (2016): Fex – Förderung exekutiver Funktionen durch Raumgestaltung. Bad Rodach: Wehrfritz (Wissenschaft, Praxis, Methoden)
  • Kramer, Maren (2015): Schlafen in der Kinderkrippe. Pädagogische Herausforderungen einer Alltagssituation. Hg. v. KitaFachtexte.
  • Rekus, Jürgen; Gebert, Stephanie (2021): Raumgestaltung als pädagogische Aufgabe im Elementarbereich. Legitimationskritik und Prinzipienanalyse. 1st, New ed. Frankfurt a.M: Peter Lang GmbH Internationaler Verlag der Wissenschaften (Grundfragen der Pädagogik, 22). Online verfügbar unter https://www.peterlang.com/search?searchstring=9783631856642.
  • Stieve, Claus; Schüllenbach-Bülow, Esther (Hg.) (2016): Raum anders erleben. Weimar: verlag das netz.
  • Wilk, Matthias: Der Raum als Erzieher. Dissertation. Bauhaus-Universität Weimar; Tectum Verlag.

Weiterführende Quelle

Zitiervorschlag

Götz, S. (2022). Raumgestaltung in der Kita. Kitas für Kinder als aktiven Lebensraum gestalten. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 20.12.2022. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/raumgestaltung-in-der-kita/

Sebastian Götz

Sebastian berichtet hier auf Krippenzeit über die frühkindliche Bildung in den Kitas und dem professionellen Management. Von der Geburt an bis zum dritten Lebensjahr... und weit darüber hinaus!

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