Angebote nach den Entwicklungsbereichen sortiert

Lockdown statt (Ge-)Wissen

Den Kindern fehlt eine Lobby in Deutschland.

Wie Deutschland seine Kinder zerstört

371 Tage ist es nun her, als das Corona-Virus am 31. Dezember 2019 in Wuhan in China erstmals bestätigt wurde. Seit mehr als einem Jahr schon verursacht das Virus weltweit schreckliche Krankheitsverläufe und Hunderttausende Todesopfer. Es ist ein neuartiges Virus, dass bisher unbekannt und noch nicht hinreichend erforscht ist. Daher ist es vermessen, Politikern oder sonstigen Entscheidungsträgern zu Beginn des Jahres 2020 ein Versagen oder Ähnliches vorzuwerfen. Weltweit standen Länder, Forscher, Politiker und Menschen vor einem Rätsel. Soweit die grundlegenden Fakten zu Beginn der Corona Pandemie.
Doch was folgte Monate nach dem Ausbruch? Während die Wissenschaft nach Impfmöglichkeiten und Therapien gegen die Erkrankung erforschte und Studien zu den verschiedensten Fragestellungen initiierte und nach und nach erste Ergebnisse lieferte, folgte die Politik meist nur einem Kalkül: Abstand halten, Kontakte vermeiden, Geschäfte schließen und die Hygienemaßnahmen beachten.

Nach dem ersten Lockdown meldeten sich bereits Fachleute und wiesen auf die schwerwiegenden Folgen für Kinder hin. Bildungsrückstände in Schulen, die nur schwer wieder aufholbar seien, wobei Kinder die aus sozialen Brennpunkten kommen sogar prozentual noch größere Bildungslücken aufweisen. Die soziale Interaktion der Kinder wird durch Vorschriften wie Kontakteinschränkungen der Bundesländer weiter unterbunden und Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen trifft es noch härter. Denn während Kindergärten oder Schulen ein geschützter Rückzugsort für diese Kinder bisher waren, sind diese Kinder nun ganztätig und rund um die Uhr dem schwierigen Familienumfeld ausgesetzt.

Vielfach sind es nur Eltern, die selbst am Limit sind da sie Job, Quarantäne, Lockdown und Bildung der Kinder unter einen Hut bringen müssen. Leider sind aber auch Kinder betroffen, deren Eltern aus den verschiedensten Gründen dieser Aufgabe der täglichen und kompletten Betreuung der Kinder nicht gewachsen sind und diesen dann körperlich wie seelisch schaden. Hierbei ist es egal, ob es psychische Erkrankungen, Suchterkrankungen oder Ähnliche hierfür Auslöser sind – die leidtragenden sind die Kinder, welche dieser Situation nun Pausenlos ausgesetzt sind.

Das Versagen der Politik

Begründung der Politik hierfür? Der Lockdown ist notwendig, um ein Ausbreiten der Erkrankung zu verhindern. Grundlagen für diese Maßnahmen? Kaum welche! Während zu Beginn der Epidemie der Virologe Dr. Drosten noch von einer gleichen Ansteckungsgefahr der Kinder im Vergleich zu Erwachsenen ausging, legen mittlerweile weitere Studien ein viel differenzierteres Bild zutage. Denn Kinder sind je nach Alter unterschiedlich infektiös und so hätte die Politik ein viel differenzierteres Konzept erarbeiten müssen. Geboten wäre dies gewesen, auch wenn das Virus über die Sommermonate nur in einem vertretbaren Rahmen verbreitet war. Aber Virologen sowie Epidemiologen wiesen schon im Frühjahr darauf hin, dass der Herbst und Winter kommen wird, und sie behielten recht.

Bis dahin hat die Politik? Hauptsächlich geschlafen! Es wurden keinerlei Konzepte erarbeitet. Die Politik hat Verbote und Einschränkungen erlassen, die teils rechtswidrig waren. Dass das Parlament in dieser Zeit seiner Arbeit nicht nachkam und solche umfangreichen Entscheidungen einfach in der Ministerpräsidentenrunde beschlossen wurden und am Parlament vorbei, setzt dem ganzen noch ein Ausrufezeichen hintenan.

Was tat die Opposition dagegen? Nichts!

Die fehlende Lobby der Kinder

Die Kinder können einem leidtun. Denn während Milliarden um Milliarden an Krediten für schwankende Wirtschaftsunternehmen vergeben werden, sind Investitionen in die Bildung und Versorgung unserer Kinder Mangelware. Den Schulen und Kindergärten wurden weder sinnvolle Luftfilteranlagen beschafft, noch wurde in Schulen auf die miserablen Erfahrungen während des ersten Lockdowns reagiert. Wieso wurden nicht alle Lehrer mit entsprechenden FFP2 Schutzmasken ausgestattet? Es ist doch bekannt, dass der Mund-Nasenbereich die Haupteintrittspforte des Virus ist. Kindergärten änderten Ihre Konzepte und planten um und Schulen versuchten durch Wechselunterricht ein Mindestmaß an Bildung zu bieten. Doch letztlich wurden durch den Lockdown auch die Schulen und Kindergärten geschlossen.

Doch waren beim ersten Lockdown nicht auch Baumärkte offen? Erinnern Sie sich an die Menschenmassen und an die Schlangen an der Kasse? Wie sieht es mit der Deutschen Bahn aus, welche doch bekanntlich dem Staat gehört? Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, den Einkaufsläden und vielen Weiteren. Es ist nicht erklärbar, wieso Schulen und Kitas geschlossen bleiben müssen, während sich tagtäglich Menschen in öffentlichen Verkehrsmitteln aneinanderdrängen oder auf der Arbeit zusammenarbeiten dürfen.

Verzeihung, die Infektionsgefahren sind hier natürlich weitaus höher, doch hier geht es um die Wirtschaft. Einerseits natürlich verständlich. Andererseits stellt sich die Frage, wieso Schulen und Kitas mit weitaus geringerem Risiko geschlossen bleiben?

Falsch verstandene Solidarität

Wieso wird deutschlandweit ein Lockdown verhängt und Kitas und Schulen geschlossen? Aus Solidarität? Ist es solidarisch, aufgrund einer hohen Infektionszahl im Nachbarort nun auch hierzulande den Bildungsanspruch der Kinder zu verhindern? Bildungslücken zu ermöglichen und den Kindern die sozialen Kontakte zu verbieten?

Es ist ein totales Versagen der Politik insgesamt und die täglichen Phrasen können auch kaum darüber hinwegtäuschen, dass sich die Situation nicht ändert. In Frankreich beispielsweise nahm die körperliche Gewalt gegenüber Kindern während des Lockdowns um 50 % zu.

Deutschland wird mit diesem Verhalten gegenüber seiner jungen und schwachen Bevölkerung noch jahrzehntelang zu kämpfen haben. Die sozialen Auswirkungen, die schulischen Leistungen und der Wissenstand unserer Kinder und Jugendlichen werden mit Sicherheit spürbar sein. Doch wofür ist dieser hohe Preis gut gewesen? Wie viele Infektionen konnten wohl verhindert werden? Ist die Anzahl der Infektionen die einzige wichtige Instanz im Leben?

Quellen

Zitiervorschlag

Götz, S. (2021). Lockdown statt (Ge-)Wissen. Den Kindern fehlt eine Lobby in Deutschland. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 05.01.2021. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/lockdown-statt-gewissen/

Sebastian Götz
Sebastian Götzhttps://krippenzeit.de
"Ich lerne für den besten Job der Welt und möchte euch hier auf Krippenzeit daran teilhaben lassen."
Angebote nach den Entwicklungsbereichen sortiert
WEITERE ARTIKEL
Der nächste Artikel folgt

Weitere Artikel

Bildungs- und Entwicklungsfelder

RUBRIKEN

Krippenzeit Podcast

TAGS

Bildungs- und Entwicklungsfelder