Halbzeit bei der Ausbildung zum Erzieher

Das zweite Jahr der Ausbildung zum Erzieher in Teilzeit war mit Höhen und Tiefen verbunden. Nach dem vorangegangenen Corona Jahr (in dem wir mehrere Monate zu Hause verbracht haben), war die Belastung doch höher als gedacht. Dabei lag dies gar nicht so sehr am schulischen Stoff. Diesen empfand ich im zweiten Schuljahr sogar als leichter, spannender und angenehmer. Ich vermute eher, dass es an einer Kombination aus stetiger Anwesenheitspflicht, vermehrten Hausarbeiten sowie den privaten Verpflichtungen lag. Kurzum, eine Vielzahl kleinerer Einflüsse hat sich zu einem großen Fluss an Widerstand und Demotivation entwickelt.

Hierunter litt am Ende zwar nicht meine Ausbildung (das Zeugnis zum zweiten Schuljahr findet Ihr am Ende des Artikels), dafür aber umso mehr meine Website. Diese Demotivation oder „Erschöpfung“ war auch in meinem Ausbildungsgang sehr verbreitet. Letztlich kamen bis auf eine Person alle Mitschülerinnen in das letzte dritte Jahr. Daher empfehle ich nochmals wie immer jedem, fangt rechtzeitig mit den schriftlichen Ausarbeitungen an, sodass Ihr hier nicht in Zeitnot geratet.

Aber hier soll es ja nun um meine Erfahrung zum zweiten Ausbildungsjahr des Erziehers gehen und auch hier möchte ich euch ziemlich umfassend und detailliert berichten.

Die Schulzeit

Die Schulzeit war dieses Schuljahr eine ziemliche Herausforderung, und zwar aus organisatorischer Hinsicht. Es gab viele Stundenplanänderungen sowie kurzfristige Raumwechsel. Die Schule hat aus meiner Sicht ihr Bestmöglichstes getan, um uns immer rechtzeitig zu informieren. Viele waren hier jedoch anderer Ansicht und so war dies ein stetiger Diskussionsgrund in der Klasse.

Wie zuvor schon bereits erwähnt, waren die Akkus von mir und meinen Mitschülerinnen leer und die Stimmung war nun im zweiten Schulhalbjahr zunehmend gereizter. Bei vielen meiner Klassenkameradinnen kam ein Wort zum anderen und am Ende, ja, ihr könnt es euch schon denken, gab es eine ziemlich große Auseinandersetzung in der Klasse.

Man sehe, auch angehende Pädagogen sind nur Menschen und umso interessanter fand ich die Lösungsideen der Lehrer. Diese hatten mit viel Enthusiasmus und Elan eine Schlichtung versucht. Sagen wir einmal so, es hatte die Gemüter beruhigt ;).

Wieso ich das erzähle und worauf ich hinaus möchte. Als Schülerin oder Schüler einer Fachschule für Sozialpädagogik habt ihr leider keinen Einfluss auf die Zusammensetzung eurer Klasse. Diese kann einigermaßen homogen oder auch herausfordernd sein. Letztlich kann diese einen großen positiven wie negativen Einfluss auf eure Motivation und mentale Gesundheit haben. Hier solltet Ihr also einen Weg finden, damit umzugehen und auch euren Standpunkt zu vermitteln.

Des Weiteren waren im zweiten Schuljahr die Stunden besser verteilt. Im ersten Halbjahr hatten wir des Öfteren vor 13:30 Uhr aus und freitags war immer um 11:45 Schluss. Umso schwerer viel mir dann auch das zweite Halbjahr, in dem freitags bis 13:30 Uhr Unterricht war.

Sonst war die Schulzeit ähnlich zum ersten Ausbildungsjahr nur mit dem Vorteil, als alter Hase bereits über alle notwendigen Informationen zu verfügen.

BHF: Berufliches Handeln fundieren

Das Fach BHF war auch im zweiten Ausbildungsjahr mein Lieblingsfach. Wir behandelten Themen wie Waldkindergarten und pädagogische Ansätze. Insbesondere die offene Arbeit in der Kita und Konzepte wie der Early Excellence Ansatz sowie Reggio-Pädagogik seien hier zu nennen.

Neben einer Klassenarbeit fand auch in diesem Fach wieder eine Praxisaufgabe statt. Während wir im ersten Ausbildungsjahr unsere Beobachtungen nach der Leuvener Engagiertheitsskala auswerten mussten, wurden wir nun im zweiten Schuljahr mit der Beobachtung und Auswertung mit den Bildungs- und Lerngeschichten (learning stories) herausgefordert.

Ein weiterer wichtiger Punkt im Fach BHF nahm auch der Bereich Kinderschutz und Kindeswohlgefährdung ein. Diesen Themenkomplex haben wir intensiv durchgearbeitet. Ihr werdet also mit den § 8a und § 8b des SGB VIII definitiv in Kontakt kommen. Ebenso werdet Ihr in die Anwendung der KiWo-Skala, also einer Einschätzskala zum Thema Kindeswohlgefährdung eingeführt.

EBG: Erziehung und Betreuung gestalten

Im zweiten Lehrjahr gab es in dem Fach EBG Schnittpunkte mit dem Fach BHF im Bereich Kindeswohl. Des Weiteren bearbeiteten wir die Themen sexuelle Entwicklung im Kindesalter, Sauberkeitserziehung (Flyer gibt es hier zu sehen) und es wurde durch Gruppenarbeit der Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung angeschnitten. Ebenfalls unternahmen wir einen Ausflug zur Beratungsstelle Cobra Stuttgart, welche sich um sexualisierte Gewalt an Frauen und Kindern kümmert.

ZQ: Zusammenarbeit gestalten und Qualität entwickeln

Dieses Jahr stand ich mit dem Fach ZQ ein bisschen auf „Kriegsfuß“. Wir führten viele Rollenspiele zu den Themen Fachgespräch, Elterngespräch und Aufnahmegespräch durch. Ebenfalls nahmen wir die verschiedenen Gesprächsarten eines Erziehers durch. Leider wurden die Spiele nicht immer mit so ernsthaftem Interesse durchgeführt, daher sah ich den Nutzen eher zwiespältig.

Meine Klassenarbeit zum Thema Elternarbeit und Elternkommunikation schloss ich ungelernt mit einer stolzen 3,9 ab =D. Zugute kam mir jedoch mein Werbeflyer zu einer fiktiven Kita. So kam ich am Ende doch noch auf eine respektable Drei im Zeugnis.

Deutsch

Das Fach Deutsch war ein in der Klasse sehr heiß diskutiertes Fach im zweiten Schuljahr gewesen. Viele kamen mit dem Unterricht nicht so zurecht, was ich leider nicht wirklich verstehen konnte. Denn unser Lehrer fing wirklich bei den Basics an. Themen wie Briefe Schreiben oder Bewerbungen waren am Start. Zum Ende des Schuljahres folgte eine Interpretation zu einer Kurzgeschichte. Kurzum, ich fand die Lehrinhalte zum Teil langweilig. Dennoch begeisterte mich das Fach Deutsch. Denn unser Lehrer brachte immer seine Kompetenz, Lebenserfahrung und auch realistische Sicht mit ein. Er spornte zu Diskussionen und dem eigenen Nachdenken an. Das Fach Deutsch ging daher weit über Grammatik und Satzbau hinaus.

Kurzum, ich bin froh, dass wir einen so tollen Lehrer im Fach Deutsch hatten. Mein Deutschlehrer war es übrigens auch, welcher mich motivierte und anspornte, weiter zu machen und nicht nachzulassen. An dieser Stelle daher nochmals viele Grüße und Danke.

Religion

Das Fach Religion war aufgrund unserer multikulturellen Zusammensetzung der Klasse ein spannendes und herausforderndes Fach gewesen. Wir nahmen die großen Religionen Christentum, Islam, Judentum sowie Buddhismus und Hinduismus durch. Ebenfalls besprachen wir auch kleinere Religionsgemeinschaften wie die Aleviten und Ähnliche.

Hauptthema war natürlich auch das Spannungsfeld Kita als säkularer Raum oder religiöse Kita. Hier hatten wir viele spannende Diskussionen und auch Einflüsse entdeckt. Auch ging es natürlich um den Orientierungsplan von Baden-Württemberg und wie dieser in den religiösen Bereich eindringt. In diesem Bereich konnte ich beispielsweise sehr viel dazulernen.

BEF1: Bildung und Entwicklung fördern 1

Im Fachbereich BEF1 ging es dieses Jahr um Themen wie Spiele, soziales Miteinander und Gendern. Hier gab es auch ein Projekt, für dass ich ein Kamishibai gebaut und hierfür die Geschichte „Max und seine Reise ins Weltall“ erfunden habe. Ich fand das Fach dieses Jahr nicht so spannend und lehrreich wie im ersten Schuljahr. Viele Bereiche waren selbsterklärend und so konnte ich in der ersten Klausur ohne zu Lernen die Note 1 erreichen. Irgendwie kann ich zu diesem Fach auch gar nicht so viel schreiben. Man könnte sagen, dass es ein machbares Fach gewesen ist.

BEF2: Bildung und Entwicklung fördern 2

Das Schulfach Bildung und Entwicklung fördern 2 gliederte sich dieses Jahr in die zwei Fächer Musik und Kunst. Während ich mit dem Fach Musik noch einigermaßen gut zurechtkam, war das Fach Kunst für mich eine ziemliche Herausforderung.

Musik: In dem Fach Musik gingen wir verstärkt auf die Wirkung von Klängen und Bewegung auf den Körper ein. Wir lernten den grundlegenden Aufbau von Liedern und worauf man bei der Auswahl achten sollte. Für das Fach Musik habe ich in diesem Schuljahr auch eine Ausarbeitung geschrieben (Geschichten mit Musik).

Kunst: In Kunst haben wir viele verschiedene Anwendungsformen gelernt, sei es Kunstdruck oder Stempeltechniken. Natürlich ging es auch um den Farbkreis und die korrekte Mischung. Ebenfalls kam das Arbeiten mit Ton und sehr… sehr… viel Papier vor. Letztlich war ich immer glücklich, wenn die Doppelstunde vorbei war. Kurzum, es lag mir einfach nicht.

BuS: Bewegung und Spiel

Das Gegenstück zu Kunst war bei mir dieses Jahr das Fach Bewegung und Spiel. Hierauf freute ich mich immer sehr, denn wir nahmen Themen wie Spiele, Spielketten, Bewegungsgeschichten, Parcours und Ähnliches durch. Wir bauten logische Spiellandschaften auf und übten auch im Park mit weniger Materialien zurechtzukommen. Ein wichtiges Thema war auch das Gestalten des Bewegungsspiels. Gerade die Gestaltung war hier wichtig, um gerade nicht so fitte Kinder nicht auszuschließen. Gerade diese Kinder haben ja die Bewegung für ihre gesunde Entwicklung nötig.

Auf der theoretischen Seite stand natürlich die körperliche/motorische Entwicklung des Kindes im Vordergrund. Was sollte ein Kind wann können und wie kann ich das Kind individuell unterstützen. Da ich aus Stuttgart komme, lernten wir auch den Bewegungspass anzuwenden. Aus meiner Sicht ein Klasse Angebot der Landeshauptstadt. Schaut gerne mal hier rein und informiert euch: Bewegungspass – Fitte Motorik – fitte Kinder! (bewegungspass-bw.de)

Das Fach hatte mir sehr viel Freude bereitet und ich habe sehr viel dazugelernt. Gerade durch das ausprobieren lernt man schnell Kombinationen von Geräten, welche nicht unbedingt zu empfehlen sind oder sogar gefährlich werden können. Da in der heutigen Zeit die Bewegung der Kinder sowieso schon viel zu gering ist, sehe ich dieses Fach als grundlegend und sehr wichtig an!

Merke: Ein Kleinkind sollte sich mindestens 3 Stunden am Tag intensiv bewegen!

UVL: Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben

In diesem Jahr ging es in dem Fach Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben insbesondere um besondere Bedürfnisse von Menschen und Kindern sowie die gezielte Unterstützung dieser Menschen. Hierbei ging es um Behinderungen und Einschränkungen, verschiedene Sichtweisen auf diese Herausforderungen und der mögliche Umgang damit. Das Thema Inklusion hatte beispielsweise einen sehr großen Stellenwert. Ebenfalls hatten wir in diesem Fach ziemlich stark diskutiert und unsere Ansichten ausgetauscht. Gerade bei dem Thema Gendern, Inklusion und Ähnlichem waren wir nicht immer einer Meinung. Für das Fach UVL hatte ich die Ausarbeitung Blindheit im Kindesalter geschrieben.

Die Praxiszeit in der Kita

Das Praxisjahr in der Kita war sehr schön und leider zu kurz gewesen. Ich war im Altersbereich von 3-6-jährigen Kindern gewesen und wir hatten etwas über 30 Kinder. Meine Kita hatte einen sehr nahen Bezug zur Natur und zum Garten. Ebenfalls gab es eine Steinwerkstatt. Ich habe die Zeit dort sehr genossen und viel lernen können. Meine Anleiterin war studierte Pädagogin gewesen, was ich sehr zu schätzen wusste. Denn hierdurch erhielt ich nochmals andere Blicke auf die jeweiligen Situationen. Auch nahm sie mich manchmal zur Seite und gab mir wertvolle Tipps, insbesondere auch was das Thema Reflexion betraf.

Gezieltes Angebot mit Kamishibai

Mein erstes Angebot war eine dialogische Bilderbuchbetrachtung mit dem Kamishibai und der Geschichte Emma, ohne dich wär die Welt nur halb so schön (Ausarbeitung findet Ihr hier). Wir philosophierten über viele Themenbereiche und glitten so von dem Thema Freundschaft immer weiter weg. Dies war jedoch weniger problematisch, da die Ziele trotzdem erreicht wurden und man beim Philosophieren mit Kindern nie so genau weiß, wohin die Reise geht. Am Ende erhielt ich die Note 1,5 oder 2,0 (ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr) für den Praxisbesuch.

Zweites gezieltes Angebot

Mein zweites gezieltes Angebot war eher spontan und unvorbereitet. Ich hatte keine schriftliche Ausarbeitung hierzu abgegeben, sondern per Mail nur kurz die wichtigsten Daten (Thema, Grob-, Feinziele, etc.) übermittelt. Ich besprach mich morgens noch mit meiner Anleiterin und dann führte ich ein Angebot zum Thema Weltraum durch. Wir erkundeten zuerst anhand eines Bilderbuches die Galaxie und stellten die Planeten durch Murmeln in einem Sandtablett nach. Dies stellte sich als großen Vorteil heraus, denn man konnte so sichtbar die Laufbahnen nachzeichnen.

Anschließend bastelten wir zuerst in Einzelarbeit eine Galaxie mit schwarzem Papier, Kleber und Salz. Zum Ende gab es noch ein großes Bild, welches wir gemeinsam gestalteten.

Das Angebot war so na ja und man merkte die mangelnde Vorbereitung. Aufgrund der nicht abgegebenen schriftlichen Ausarbeitung gab es für diesen Bereich natürlich die Note 6. Punkte hätte ich sicher bei dem Thema Reflexionsgespräch holen können doch ich war an diesem Tage nicht wirklich „Reflexionswillig“. So landete ich am Ende bei der Note 3 und meine Anleiterin besprach mit mir einige Tage später nochmals das Thema Reflexionsgespräch. So habe ich einerseits eine noch akzeptable Note erhalten und andererseits viel über das Thema Reflexion und Reflexionsverhalten gelernt.

Fazit

Das zweite Ausbildungsjahr war einerseits stressiger als das erste Jahr und dennoch wesentlich einfacher. Denn der Lernstoff war aus meiner Sicht geringer. Nun nähert sich auch das dritte und letzte Schuljahr, was Aufschwung und Kraft gibt. Ebenfalls kommen im letzten Lehrjahr nochmals neue spannende Lernbereiche. Hinzu kommen die Facharbeit und das verkürzte Schuljahr. Denn durch die Abschlussprüfungen liegt das Ende der schulischen Ausbildung vor den Sommerferien. Wie immer werde ich euch auf dem Laufenden halten.

Bei Fragen stehen euch meine Türen, besser gesagt meine Mailadresse, stets offen 🙂

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