Erzieherausbildung Stuttgart – Das erste Halbjahr

Nun ist es geschafft und das erste Halbjahr meiner Erzieherausbildung hier in Stuttgart ist schon wieder zu Ende. Es waren interessante sechs Monate und die Corona-Krise tat ihr Übriges dazu. Während wir zu Beginn der Ausbildung normalen Unterricht, Kontakte während der Schulzeit mit Klassenkameradinnen und regelmäßige Praxiseinsätze hatten, veränderte sich die Lage zusehends ab Dezember.

Wer hätte gedacht, dass wir über mehrere Monate plötzlich Homeschooling und ein Aussetzen der Praxisbesuche haben. Umso schöner ist es, dass nun zum Ende des Halbjahres zumindest die Praxistage wieder stattfinden dürfen und man wieder Kontakt mit den Kindern hat.

Es war interessant, wie unterschiedlich die Schulen und Einrichtungen in ganz Deutschland auf diese Situation reagieren und man konnte das ein oder andere Mal durchaus schmunzeln. Dennoch finde ich, dass sich der Großteil der Einrichtungen massiv bemüht haben, um ein Aufrechterhalten der Betreuung sicherstellen zu können. Gegen Gesetze & Verordnungen sind auch Kitas machtlos.

Nun aber zum eigentlichen Kern des Artikels, wie erging es mir in den ersten sechs Monaten. Was hat mir gefallen und was nicht so sehr. Welche Tipps kann ich anderen geben und worauf hätte ich wohl selbst besser aufpassen sollen in den ersten sechs Monaten auf meinem Weg zum Erzieher.

Die Schulzeit

Da ich ja alleinerziehend bin, war mir der Weg über die PIA-Ausbildung zu anstrengend. Daher habe ich die Möglichkeit ergriffen und in Stuttgart über die DAA Fachschule für Sozialpädagogik eine Erzieherausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Der Vorteil lag hier klar auf der Hand: Die Schul- und Praxiszeiten sind zwischen 8:30-13:30 Uhr und in den Ferien finden weder Unterricht noch Praxistage statt. Daher dauert die Ausbildung insgesamt 3 Jahre plus das obligatorische Anerkennungsjahr, ergo vier Jahre.

Begonnen hat die Schule am 14. September 2020. Wir haben eine Klassenstärke von 22 Schülerinnen… und mir *lach*. Stuttgart ist eine Großstadt und so ist auch unsere Klasse bunt durchmischt mit vielen Kulturen und Sprachen. Ich finde dies gerade in der Erzieherausbildung extrem hilfreich, da wir im Unterricht so über viele unterschiedliche Sichtweisen, Ansätze, Probleme und auch Vorteile ausgiebig diskutieren können.

Der Unterricht ist in verschiedenen Fächern organisiert und diese arbeiten mit sogenannten Lernfeldern. Hierdurch gibt es häufiger Überschneidungen und so behandelt man durchaus ein Thema mehrmals, allerdings aus verschiedenen Blickwinkeln und mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Da mich schon einige gefragt haben, was für Fächer es denn in der Ausbildung gibt und wie denn die jeweiligen Fächer so sind, habe ich nun für euch nachfolgend eine Auflistung der jeweiligen Fächer an der DAA Erzieherschule in Stuttgart, wobei wir im ersten Halbjahr weder ein Wahlpflichtfach Englisch noch Mathematik hatten erstellt und natürlich auch ein paar persönliche Gedanken hierzu geschrieben:

BHF: Berufliches Handeln fundieren

Das Fach BHF fand ich bereits zu Beginn spannend und interessant. Hierbei gingen wir in den ersten sechs Monaten auf Themen wie Beobachtungen, Analysen, Methoden, Lern- und Arbeitstechniken, Reflexion und vielen weiteren ein. Ein großer Stellenwert nahm hierbei auch die Organisation, Umsetzung und Durchführung der Praxistage ein. Hier sind insbesondere die Themen Freispielimpuls sowie das gezielte Angebot zu nennen.

Die Klassenarbeit in dem Fach war machbar und mit etwas Interesse an dem Fach nicht ganz so schwer. Mein Tipp für das Fach BHF: Auf die Operatoren achten und die Fragestellung korrekt erkennen und beantworten.

EBG: Erziehung und Betreuung gestalten

Das Fach EBG ist ja ein späteres Prüfungsfach und so umfangreich ist es auch in der täglichen Schulpraxis. Hier werden quasi alle relevanten Themen, welche die Erziehung (Erziehungsstile, Maßnahmen, Entwicklungspsychologie etc.) betreffen, behandelt. Dieses Fach ist neben BEF1 absolut grundlegend und notwendig für die Arbeit als Erzieher, da man hier erst einmal die theoretischen Grundlagen erlangt, um überhaupt verstehen zu können, was überhaupt an Entwicklung und Erziehung stattfindet.

Das Fach ist fordernd und sehr spannend. Wichtig ist aus meiner Sicht, dass man unbedingt mit dem lernen und verstehen dranbleiben sollte, sonst kann man häufig nicht mehr wirklich folgen. Für das Schulfach EBG habe ich den umfangreichen Artikel zur Reformpädagogik geschrieben. Ich habe keine wirklichen Vergleichsmöglichkeiten, was das Thema Unterrichtsqualität betrifft, aber hier habe ich oder wir das Glück, dass unsere Lehrerin relativ frisch aus der Universität kommt und sie dementsprechend auch über aktuelle Entwicklungen informiert ist.

ZQ: Zusammenarbeit gestalten & Qualität entwickeln

Nun das Fach ZQ. Ich fasse mich kurz, es liegt mir nicht besonders. In diesem Fach geht es um das große Thema Team und Teamentwicklung. Hier darf natürlich auch der Punkt der Kommunikation nicht fehlen. Ebenfalls kamen Konflikte zur Sprache. Es sind logische und nachvollziehbare Unterrichtsinhalte gewesen. Dennoch fand ich diese langweilig und allseits bekannt. Vielleicht ist dies auch auf meine bisherige berufliche Laufbahn zurückzuführen, da ich ja viel in Teams und Projekten gearbeitet habe. Für Menschen, die bisher mit diesen Themen kaum oder keine Berührungspunkte hatten, waren die Themen allerdings wichtig, um auch einen anderen Blick auf die „zwischenmenschliche“ Zusammenarbeit zu legen.

Aufgrund der Corona-Situation hatte ich hier ein Prüfungsgespräch via Online-Meeting und es war machbar. Hier stellte ich auch fest, wie angenehm und detaillierter eine Klausur mündlich sein kann, ohne dass man selbst alles niederschreiben muss. Es war eine tolle neue Erfahrung gewesen.

Deutsch

Zu Deutsch gibt es nicht viel zu sagen. Hier haben wir Kommunikationstheorien, Sprache und Dialog bearbeitet. Wie schon zu Beginn erwähnt, ist unsere Klasse multikulturell. Daher gab es hier besondere Förderschwerpunkte und es wurde von der Schule ein zusätzlicher freiwilliger Deutsch-Stützkurs ins Leben gerufen. Ich finde, dass man dies der Schule sehr positiv anrechnen muss, da dies grundsätzlich nicht vorgeschrieben ist und die entsprechenden Schüler hierdurch sehr profitieren können.

Denn jedem dürfte ja bekannt sein, dass man in der Erzieher-Ausbildung immens viel an Ausarbeitungen Schreiben muss. Daher ein großer Daumen hoch an die Schule.

Religion

Vom Religionsunterricht war ich persönlich überrascht gewesen. Das Niveau war doch deutlich höher, als ich es ehrlich gesagt erwartet hätte. In dem Halbjahr haben wir hier Themen wie Gentechnologie, Religionsgemeinschaften und auch Kind und Theologie bearbeitet. Gerade das Thema Kind und Theologie hatte mich sehr gefordert, da hier nicht nur religiöse Aspekte, sondern auch die Philosophie eine wichtige Rolle spielt. Daher fand ich das Niveau des Religionsunterrichts hoch und fordernd.

BEF1: Bildung und Entwicklung fördern

Das Unterrichtsfach BEF1 ist ebenfalls ein späteres Prüfungsfach. Hier wurden Themen wie Spiel, Sprache, Sprachentwicklung, Kommunikation, Puppen, Stimmbildung und noch viele weitere besprochen. Das Fach war extrem fordernd und die vielen Tabellen, Entwicklungsstufen sowie weiteren Daten waren ganz schön fordernd. Es ist auf jeden Fall ein Fach, dass man nicht so nebenbei erlernt und dass viel Motivation abverlangt.

Ich persönlich fand gerade das Thema Spiel und die Kinderkonferenz ganz toll. Für dieses Fach schrieb ich zur Notenfindung auch die Hausarbeit interkulturelle Kommunikation.

BEF2: Bildung und Entwicklung fördern

Das Fach BEF2 ist so ein Spezialfall meiner Meinung nach. Denn dieses ist bei uns in vier Untergruppen unterteilt:

  1. BEF2 Musik (Sprachfördergeschichte, Musik, Klanggeschichten)
  2. BEF2 Ästhetik (Kunst, Nähen, Puppen)
  3. BEF2 Gesundheit (Salutogenese, Biomed. Modell, Stoffwechselkrankheiten)
  4. BEF2 Bewegung (Ottawa-Charta, Aktivierung, Fettleibigkeit, etc.)

Diese Fächer fließen letztlich zusammen und hieraus wird eine Gesamtnote gebildet. Jedes Fach hat einen anderen Lehrer und so können diese Fächer durchaus auch wieder als „Lernbereiche“ gesehen werden. Es waren auch hier spannende Fächer und man hat vieles für den Erzieher-Alltag mitnehmen können.

Gerade die praktischen Tätigkeiten in Ästhetik und Musik waren sehr schön und haben viel Spaß gemacht. Hierbei sind auch die Sprachfördergeschichte sowie die Fingerpuppe Stern entstanden.

UVL: Unterschiedlichkeit und Vielfalt leben

Im Fach UVL geht es wie der Name schon verrät um die Themen Selbstreflexion, Kulturen, Werte, Normen sowie Biografiearbeit. Natürlich darf auch hier die Kommunikation nicht fehlen. Ich persönlich fand dieses Fach spannend, da man sich viel mit sich selbst beschäftigt hatte und man dann doch teils verwundert feststellt, wie eingefahren die eigene Sichtweise ist. Man erfährt viel über Kulturen, Werte und Normen, was einem bei der Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen/Kulturen hilft. Ich nenne es gerne mal einen Blick über den eigenen Tellerrand wagen.

In diesem Fach ist auch meine Hausarbeit zur japanischen Kultur entstanden. Ebenfalls existiert in UVL ein Lerntagebuch. Dies ist in etwa wie ein persönliches Tagebuch, in dem man über die zurückliegenden Unterrichtseinheiten reflektiert und diese festhält. Aufgrund der Covid Geschichte ist dieses jedoch etwas weniger behandelt worden, als es eigentlich gedacht war. Durch den Online-Unterricht mussten vermutlich einfach Prioritäten gesetzt werden.

Halbjahreszeugnis

Am Ende des ersten halben Schuljahres an der DAA gab es natürlich ein Halbjahreszeugnis mit den entsprechenden Noten. Ich weiß, dass gerade dieses viele hier interessiert. Daher keine lange Rede, so sieht es aus:

Halbjahreszeugnis der Erzieherausbildung
Halbjahreszeugnis der Erzieherausbildung

Die Praxiszeit in der Kita

Die Praxiszeit in der Kita war einfach klasse. Ich kam sofort mit den Kolleginnen und Kollegen gut ins Gespräch und wurde auch direkt mit eingebunden. Ich konnte zügig Zugang zu den Kindern finden und war nach kurzer Zeit auch Ansprechpartner für die Kinder. Hierfür hatte insbesondere auch das Blogpraktikum über vierzehn Tage beigetragen. Denn sonst sind wir aktuell nur immer montags in der Einrichtung.

Während meiner Praxiszeit traf ich immer erst während des Frühstücks ein. So konnte man dann anschließend direkt in die Freispiel- oder Angebotsphase gehen. Oftmals haben wir die Gruppe geteilt und ein Teil ging in den Außenspielbereich. Gerade das gemeinsame Mittagessen, Tischdecken und anschließenden Schlafenlegen war eine sehr schöne Zeit.

Etwas schwierig waren zu Beginn das Durchsetzen und die unterschiedliche Herangehensweise in verschiedenen Situationen. Das war etwas, was ich erst lernen musste. Leider ist nach dem nächsten Halbjahr schon wieder Schluss in der Einrichtung und ich muss in eine andere wechseln, das ist sehr schade. Dennoch ist dies natürlich notwendig, um verschiedene und vielfältige Eindrücke sammeln zu können.

Tipps für die Praxis habe ich insofern, dass man wirklich bequeme Schuhe braucht und man gerade im Winter keine schwarzen Hosen anziehen sollte. Denn wenn die Erkältungszeit ist, dann sind die Hosen nach zwei Stunden…. Ihr wisst schon.

Von manchen Mitschülerinnen habe ich mitbekommen, dass es Probleme mit der Einrichtung gab. Hier haben sich oftmals klärende Gespräche als sinnvoll gezeigt. Leider mussten wohl manche auch letztlich die Einrichtung wechseln. Was ich hier nur sagen möchte ist, dass oftmals das gemeinsame Problem die mangelnde Kommunikation ist. Wenn etwas unklar ist oder Ihr euch nicht wohlfühlt dann wartet nicht, sondern sprecht dies umgehend an. So schaukeln sich Situationen gar nicht erst auf.

Der Freispielimpuls als Praxisbesuch

Während des ersten Halbjahres gab es einen Praxisbesuch durch die Lehrkraft. Für diesen hatten wir einen geplanten Freispielimpuls als Ziel. Hierfür durfte ich mir ein Kind heraussuchen, dass ich näher beobachten sollte. Aufgrund der Beobachtungen erstellte ich eine Kindsbeschreibung. Hieraus wurden dann die Fein- und Grobziele abgeleitet. Näheres könnt Ihr in dem leicht veränderten Beitrag „Gezielter Freispielimpuls“ erfahren.

Der Praxisbesuch war ein voller Erfolg. Die Impulse wurden von dem Kind angenommen und es beschäftigte sich 45 Minuten durchgehend mit den geplanten Materialien. Die Benotung des Praxisbesuches gliederte sich in drei Bestandteile

  1. Praktische Aktivität (Note 1,4)
  2. Schriftliche Vorbereitung (Note 1,5)
  3. Mündliche Reflexion (Note 1,5)

Hieraus ergibt sich dann letztlich eine Gesamtnote von 1,5.

Fazit

Rückblickend betrachtet bin ich sehr zufrieden sowohl in der Schule als auch in der Praxiseinrichtung. Gerade im Hinblick auf die Vereinbarkeit zwischen Familie und Ausbildung ist die Teilzeitvariante klar der PIA-Ausbildung vorzuziehen. Ich wäre mir sicher, dass ich eine Vollzeitausbildung nicht schaffen würde. Sei es aufgrund der zu großen Belastung oder einfach deswegen, da die Kita des eigenen Kindes auch einmal in Ferienzeiten geschlossen hat. Auch sind Kleinkinder gerne einfach mal öfters krank. Hierdurch habe ich einfach mehr Puffer und weniger Stress.

Gerade im Hinblick auf zusätzliche zwölf Monate stellt sich mir gerade sowieso die Frage, ob man in dieser Variante nicht sogar mehr Unterricht im Vergleich hat.

Zitiervorschlag

Götz, S. (2021). Erzieher Ausbildung Stuttgart – Das erste Halbjahr. Ausbildung an der Fachschule. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 26.02.2021. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/erzieher-ausbildung-stuttgart-das-erste-halbjahr/

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