Die Förderung des Kleinkindes durch die Eltern

Vor ein paar Tagen wurde ich gefragt, wie ich denn meinen kleinen Sohn fördere und welche Maßnahmen ich selbst durchführe. Da ich ja gerade die Ausbildung zum Erzieher absolviere, erhofften sich meine Freunde wohl neue Weisheiten, welche die Kleinkindförderung betreffen. Für mich waren die Fragen logisch und ich habe Verständnis hierfür. Denn Eltern wollen immer das Beste für Ihre Kinder und so kommt es, dass oftmals Anschaffungen und Investitionen getätigt werden, um das Kind bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten. Es wird gekauft, ausprobiert und eingesetzt. Egal, ob diese Maßnahmen letztlich zielführend sind oder nicht.

Heutzutage gibt es eine unendliche Zahl elektronischer Kinderspielsachen, Spielzeuge und Ähnliches. Es gibt mittlerweile sogar Fernsehsender, welche sich auf die „Förderung von Kindern“ spezialisiert haben und hierfür entsprechend Material in Form von Videos und TV-Sendungen produzieren. Den Ideen sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Was tun als Elternteil?

Doch braucht man das alles heutzutage? Helfen diese ganzen Sachen bei der Entwicklung des eigenen Kindes oder überfordere ich es hiermit? Muss ich in solche Sachen investieren, um mit anderen Kindern mithalten zu können? Was, wenn ich mir dies nicht leisten kann? Viele Fragen, auf die es erstmal keine so genaue Antworten gibt.

Denn die Entwicklung eines Kindes ist keineswegs eine Einbahnstraße oder lässt sich anhand einer Checkliste abhaken. Es finden stetige Lernerfolge statt und oftmals wiederholen sich die ausgeführten Spiele. Mein Sohn beispielsweise schraubte mit zwei Jahren bereits Schrauben mit einem Schraubenzieher in eine Holzlatte. Nach einigen Tagen war dieses Spiel erledigt und es folgten andere interessante Dinge. Doch jetzt, mit knapp drei Jahren, ist die Schraube und das Holz erneut interessant. Diesmal jedoch mit einem Akkuschrauber und nicht mit einem Schraubenzieher. Was ich damit sagen will ist, dass bereits kleine Veränderungen ausreichen, um neue Impulse und Anregungen zu setzen.

Das wichtigste für Kinder ist das Entdecken und Vertiefen der eigenen Sinne. Tasten, Riechen oder Fühlen beispielsweise sind essenzielle Funktionen bei der Entwicklung eines Kindes. Je besser diese trainiert werden, umso intensiver kann ein Kind Erfahrungen sammeln. Bieten unsere Sinne doch einen Kommunikationspunkt mit der Welt.

Sie sind gerne in der freien Natur? Wunderbar! Nehmen Sie Ihr Kind mit auf eine Entdeckungsreise in den Wald. Etwas Besseres können Sie kaum bieten. Denn die Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Materialien, welche ein Wald bieten, sind schier unbegrenzt. Sie fragen sich jetzt, wie ich darauf komme? Sicher es gibt verschiedene Arten von Flora und Fauna. Aber dies ist nicht der wichtige Punkt. Es geht um die Details. Nehmen Sie zwei verschiedene Stöcke in die Hand und entdecken Sie diese. Jeder ist anders und selbst wenn Ihr Kind noch 100 sammelt. Er wird bei jedem Unterschiede feststellen. Im Vergleich hierzu haben Sie bei Duplo zwar unterschiedliche Farben, dennoch sind alle Duplo-Steine identisch. Noch dazu sind die Kosten des Waldes null. Ich denke Sie verstehen, was ich damit ausdrücken möchte.

Des Weiteren ist es natürlich wichtig, dass Sie gemeinsam Dinge unternehmen, welche Ihnen auch selbst Freude bereiten. Sie hassen das Fahrradfahren oder sind extrem ungern im Wald? Überlegen Sie sich lieber Alternativen. Denn wenn Ihnen diese Dinge keine Freude bereiten, wird Ihr Kind dies sofort merken und dementsprechend auch nicht so interessiert auf die neuen Eindrücke reagieren. Dies gilt auch für das Vorlesen von Büchern oder dem Hören von Musik. Manfred Spitzer und Norbert Herschkowitz haben hierzu in dem Buch „Wie Kinder Denken Lernen“ einen sehr schönen Text geschrieben: Wenn Sie gerne Kant lesen, dann lesen Sie Ihrem Kind Kant vor und nicht irgendein Kinderbuch, dass Ihnen selbst nicht gefällt.

Es versteht sich von selbst, dass zur optimalen Entfaltung und Förderung eines Kleinkindes Liebe, Zuneigung und Vertrauen nötig sind. Nehmen Sie Ihrem Kind nicht jeden Schritt ab, sondern begleiten Sie es hierbei. Greifen Sie nur ein, wenn es um Ihre Hilfe bittet und Sie merken, dass es Ihre Hilfe braucht. Auch wenn das Händewaschen oder das Anziehen der Jacke 5 Minuten dauert. Planen Sie diese Zeit einfach in Ihren Alltag mit ein. Gleichzeitig ist der Stresspegel hierdurch viel niedriger.

Doch was ist nun mit den ganzen Spielsachen? Werden diese benötigt? Ich empfehle, weniger Spielsachen zur Verfügung zu stellen und diese in regelmäßiger Zeit (alle 4-6 Wochen) auszutauschen. Schauen Sie, welche Bereiche Ihr Kind gerade interessiert und womit Sie dann an diesem Interesse ansetzen können. Es ist übrigens mittlerweile bewiesen, dass TV-Konsum von Kleinkindern die Sprachentwicklung verzögert und dementsprechend nicht ideal ist. Beschränken Sie daher den TV-Konsum auf ein Minimum. Von ganz Verbieten halte ich jedoch nicht viel. Gleiches gilt für Smartphones oder digitale Lerngeräte.

Fazit

Sie sehen also, dass es vielmehr auf gemeinsame Abenteuer und Zweisamkeit ankommt, statt auf teurere oder ausgefallenere Spielzeuge. Forschen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind und wecken Sie den eigenen Forschergeist. Knüpfen Sie an dem aktuellen Interesse Ihres Kindes an und nehmen Sie sich einfach Zeit. Dies ist aus meiner Sicht die beste Möglichkeit um die normale Entwicklung eines Kindes zu unterstützen.

Zitiervorschlag

Götz, S. (2021). Die Förderung des Kleinkindes durch die Eltern. Stressfrei optimale Bedingungen schaffen. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 30.05.2021. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/die-foerderung-des-kleinkindes-durch-eltern/

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