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Die fallende Hand des Westens gegenüber Afghanistan

Normalerweise äußere ich mich nicht politisch, sondern versuche mich auf wissenschaftliche Fakten zu beschränken. Dennoch enttäuscht und entsetzt mich das westliche Handeln in und mit Afghanistan und ich denke dabei an die vielen Menschen vor Ort, welche auf uns gebaut haben und die wir nun im wahrsten Sinne des Wortes im Stich lassen.

Der Westen zerbricht an Afghanistan an seinen eigenen Maßstäben und zieht nicht einmal die richtigen Schlüsse aus seinem Handeln. Mehr als 20 Jahre an Einsatz, Investitionen und Unterstützung verpuffen innerhalb weniger Wochen. Alleine Deutschland hat mehr als 20 Milliarden Euro für Sicherheit und Entwicklung am Hindukusch investiert und natürlich sei hier auch der Verlust von 3.600 westlichen OEF und OFS Soldaten zu nennen (Stand 2020). Durch die jahrzehntelange Unterstützung konnte die Demokratie und die Bürgerrechte verbessert werden. Die humanitäre Hilfe für besonders Bedürftige sowie die medizinische Versorgung wurde ausgebaut. Ebenfalls verbesserte sich die Situation für die Frauen vor Ort. Kurzum, trotz aller Probleme entwickelte sich der Staat Afghanistan teilweise in eine positive Richtung.

Doch wie sieht es bildungstechnisch aus? Was hat der Westen hier erreicht? Laut UNICEF gingen im Jahr 2018 immer noch fast die Hälfte der Kinder im Alter zwischen 7 und 17 Jahren nicht zur Schule. Insbesondere die Mädchen wurden beim Thema Bildung weiterhin stärker benachteiligt. Während landesweit 60% der Mädchen nicht zur Schule gehen, sind es in einigen Distrikten bis zu 85%.

Es ist eine Katastrophe, dass es der Westen nicht geschafft hat, für eine angemessene Bildungschance der Kinder und insbesondere der Frauen zu sorgen. Wie soll sich ein Land positiv entwickeln und sich an westlichen Staaten angleichen, wenn es nach 20 Jahren noch zu solch katastrophalen Zahlen kommt.

Die afghanische Armee ist unterbesetzt und überfordert. Gerade im Bereich der Luftwaffe ist die Armee schlecht aufgestellt. Und nun wundert sich der Westen, dass nach einem plötzlich angekündigten Rückzug die afghanische Armee nicht in der Lage ist, sich alleine gegenüber den verschiedenen Taliban-Gruppen zu verteidigen.

Daher war es vorauszusehen, dass die afghanische Regierung den Status quo nicht halten wird können. Und genau hier zeigt sich, dass hässliche Gesicht des Westens. Denn mehr als 20 Jahre lang versprach er Unterstützung, Schutz für die Bevölkerung und eine Zukunft. Menschen vor Ort wurden eingespannt, um dieses Ziel zu erreichen. Sogenannte Ortskräfte. Menschen, die in Afghanistan ihr Leben riskierten, um den Westen bei den Zielen zu unterstützen. Menschen, die nun getötet werden, weil der Westen, insbesondere auch Deutschland, es aufgrund politischer Diskussionen nicht geschafft haben eine pragmatische Lösung für diese Menschen zu finden. Eine Lösung, welche durch politisches Asyl greifbar nah und logisch ist. Während 2015 Hunderttausende Menschen aufgenommen wurden verweigert diesmal Deutschland den Menschen, welche mit Deutschland zusammengearbeitet haben und denen aufgrund dessen nun Lebensgefahr droht, das Recht auf politisches Asyl. Es ist eine Tragödie und ein Versagen der aktuellen Regierung, welche nicht einmal durch einen gesammelten Rücktritt wiedergutgemacht werden kann.

Der Westen hätte nun die Chance, sein katastrophales falsches Handeln zu korrigieren. Er könnte die Taliban empfindlich treffen und sein Engagement ausbauen. Doch der Westen überlässt die Männer, Frauen und Kinder lieber der Taliban und zieht sich aus der Ära Afghanistan zurück. Eine damals gereichte Hand wird zurückgezogen und das Land ins unbekannte entlassen. Unzählige Tote auf beiden Seiten für nichts.

Welch Versagen der westlichen Welt, wofür man sich nur schämen kann.

Quellen

UNICEF Afghanistan klagt an: Zunehmende Gewalt gegen Kinder – Vatican News

Studie: Fast die Hälfte der Kinder in Afghanistan geht nicht zur Schule (unicef.de)

Zitiervorschlag

Götz, S. (2021). Die fallende Hand des Westens gegenüber Afghanistan. ISSN: 2748-2979. Zugriff am 27.08.2021. Verfügbar unter: https://krippenzeit.de/die-fallende-hand-des-westens-gegenueber-afghanistan/

Sebastian Götz
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